Die Klimakrise ist auch in Diepholz längst Realität: Verkehrsemissionen, versiegelte Flächen und aufgeheizte Innenstädte belasten Klima, Gesundheit und Lebensqualität. Gleichzeitig zeigen aktuelle wissenschaftliche Studien sehr deutlich: Urbane Grünflächen sind ein wirksames Instrument für den kommunalen Klimaschutz – direkt vor Ort.
Stadtbäume können CO2Emissionen messbar ausgleichen
Eine aktuelle Studie, über die unter anderem die Tagesschau berichtet, untersuchte mithilfe hochauflösender Messungen die CO2Flüsse in Städten. Forschende der Technischen Universität München sowie der Universitäten Heidelberg und Basel konnten zeigen, dass städtische Vegetation – insbesondere Bäume – einen relevanten Teil der durch Verkehr und Energie verursachten CO2Emissionen aufnehmen kann.
Am Beispiel München ergab sich, dass Stadtbäume, Sträucher und andere Gehölze rund zwei Prozent der jährlichen menschengemachten CO2Emissionen der Stadt kompensieren. In einzelnen Sommerstunden übersteigt die natürliche CO2Aufnahme durch das Stadtgrün sogar die gleichzeitig verursachten Emissionen. Entscheidend ist dabei vor allem der Anteil von Bäumen und Gehölzen, während intensiv gepflegte Rasenflächen deutlich weniger klimawirksam sind.
Diese Ergebnisse zeigen: Grünflächen sind aktive CO2Senken – genau dort, wo Emissionen entstehen.
Nicht nur Blätter zählen – auch der Boden speichert Kohlenstoff
Ergänzt werden diese Erkenntnisse durch eine aktuelle Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Im Forschungsprojekt GreenJLU untersuchten Wissenschaftler*innen unter Leitung von Prof. Dr. Till Kleinebecker systematisch urbane Grünflächen und deren Fähigkeit, organischen Kohlenstoff im Boden zu speichern.
Die Ergebnisse sind eindeutig:
Urbane Grünflächen leisten einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz, insbesondere dann, wenn sie naturnah gestaltet und bodenschonend gepflegt werden. Flächen mit Bäumen, Sträuchern oder Wildblumen speichern deutlich mehr Kohlenstoff im Boden als kurz geschnittene, intensiv bewirtschaftete Rasenflächen. Auch die Nutzungsgeschichte einer Fläche spielt eine wichtige Rolle: Weniger stark überformte, naturnähere Standorte weisen höhere Kohlenstoffvorräte auf.
Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass die Bedeutung urbaner Grünflächen für den Klimaschutz bislang systematisch unterschätzt wurde – obwohl sie als dauerhafte Kohlenstoffsenken wirken können.
Beton verschärft Probleme – Grünflächen lösen mehrere zugleich
Versiegelte Plätze, asphaltierte Flächen und kahle Fassaden speichern Hitze, verschlechtern die Luftqualität und verhindern natürliche Kohlenstoffspeicherung. Stadtgrün hingegen wirkt mehrfach gleichzeitig:
- Bindung von CO2 in Biomasse und im Boden
- Abkühlung durch Verdunstung und Verschattung
- Filterung von Schadstoffen aus der Luft
- Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Arten
- Steigerung der Aufenthalts- und Lebensqualität
Diese Effekte sind wissenschaftlich belegt und machen deutlich: Entsiegelung und Begrünung sind keine kosmetischen Maßnahmen, sondern zentrale Bausteine moderner Stadtentwicklung.
Unser Appell an Diepholz
Als NABU Gruppe Diepholz appellieren wir an
die Verwaltung und den Rat der Stadt Diepholz sowie an Bürger*innen, Vereine, Initiativen und Unternehmen:
Setzen wir gemeinsam auf mehr Stadtgrün:
- Entsiegelung von Plätzen und Verkehrsflächen
- Pflanzung und Erhalt von Stadtbäumen
- Begrünte Fassaden und Dächer
- Naturnahe Pflege statt kurz geschorenem Einheitsrasen
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig: Stadtgrün ist Klimaschutz.
Die Entscheidungen darüber fallen nicht abstrakt – sie fallen hier vor Ort, in Diepholz.
Quellen (Auswahl)
Justus-Liebig-Universität Gießen (2026): Wie urbane Grünflächen zum Klimaschutz beitragen
https://www.uni-giessen.de/de/ueber-uns/pressestelle/pm/pm20-26urbanegruenflaechenundklimaschutz
TU München / Universität Heidelberg / Universität Basel, zusammengefasst u.a. in der Tagesschau: https://www.tagesschau.de/wissen/klima/gruenflaechen-stadt-co2-100.html Grünflächen in der Stadt können CO2Ausstoß teils kompensieren

Ein Kommentar zu “Stadtgrün wirkt – wissenschaftlich belegt, lokal umsetzbar”
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